Kreditbetrug erkennen: Vorkosten, Fake-Seiten, Warnsignale
Kreditbetrug erkennst du oft daran, dass vor der Auszahlung Geld fließen soll, dass du Unterlagen oder dein Konto für Dritte herausgeben sollst oder dass sich ein Anbieter nicht prüfen lässt. Eine Checkliste vor jeder Anfrage und klare Schritte für den Ernstfall helfen, solche Maschen zu erkennen und richtig zu reagieren.
Woran erkennst du Kreditbetrug?
Kreditbetrug heißt: Täter wollen mit einem vorgetäuschten Kreditangebot Geld, Daten oder Unterschriften von dir bekommen. Das typische Muster ist, dass zuerst etwas fließen soll, eine Zahlung, ein Dokument oder eine Identifizierung, und der Kredit ausbleibt.
Häufige Maschen im Überblick
| Masche | Woran du sie erkennst | Was du tust |
|---|---|---|
| Vorkosten | Vor der Auszahlung soll eine Gebühr fließen | Nichts überweisen und abbrechen |
| Nachnahme-Unterlagen | Vertragsunterlagen kommen gegen Zahlung beim Empfang | Sendung nicht annehmen |
| Fake-Bankseite oder Fake-Impressum | Adresse, Login oder Telefonnummer passen nicht zum Anbieter | Keine Daten eingeben, Bank über die eigene Nummer prüfen |
| Identitätsmissbrauch | Eine Identifizierung soll für einen Vorgang gelten, den du nicht gestartet hast | Abbrechen, Bank und Polizei informieren |
| Finanzagent | Du sollst Geld über dein Konto weiterleiten und dafür etwas verdienen | Ablehnen und das Konto niemandem überlassen |
| Ungefragte Auszahlung | Geld geht auf dein Konto ein, und du sollst es weiterleiten | Nichts an Dritte weiterleiten, Bank um Prüfung bitten |
| Restschuldversicherung als Bedingung | Der Kredit soll nur mit einer Versicherung zustande kommen | Nicht unterschreiben |
Ein einzelnes Merkmal reicht, um innezuhalten.
Was regelt § 655c BGB bei Vorkosten?
Ein Kreditvermittler darf seine Vergütung erst verlangen, wenn das Darlehen infolge der Vermittlung an dich geleistet wurde und du es nach § 355 BGB nicht mehr widerrufen kannst (§ 655c Satz 1 BGB). Eine Gebühr, die vor der Auszahlung fällig werden soll, passt nicht zu dieser Regel.
Bei einer Umschuldung gilt eine Sonderregel. Ein Anspruch auf Vergütung entsteht nur, wenn sich der effektive Jahreszins nicht erhöht. Vermittlungskosten bleiben bei der Berechnung des effektiven Jahreszinses für das abzulösende Darlehen außen vor (§ 655c Satz 2 BGB).
Vermittler vergeben keine Kredite selbst. Laut Verbraucherzentrale entscheidet allein die Bank, ob du einen Kredit bekommst, und die Vermittlung verteuert den Kredit zusätzlich.
Verlang vom Vermittler eine schriftliche Auskunft, wann und unter welchen Bedingungen seine Vergütung fällig wird. Die Antwort muss zu § 655c BGB passen. Passt sie nicht, gibst du keine weiteren Daten heraus und machst nicht weiter.
Der vzbv hat 2020 vor Anbietern gewarnt, die vor der Auszahlung eine Kaution, eine Vermittlungsgebühr oder eine Bearbeitungsgebühr verlangen. Laut vzbv sind Zahlungen vorab rechtlich nicht zulässig.
Marlene sucht Geld für einen neuen Gefrierschrank und füllt ein Online-Formular aus. Kurz darauf ruft ein Vermittler an und verlangt eine Bearbeitungsgebühr vor der Auszahlung. Auf ihre Frage, wann seine Vergütung fällig wird, bleibt die Antwort vage, und der Anrufer drängt.
Marlene zahlt nicht, notiert den Namen des Anbieters und prüft das Impressum. Das Beispiel ist frei erfunden.
Was steckt hinter Nachnahme und Prepaid-Karten?
Eine Nachnahme-Sendung bezahlst du beim Empfang an den Zusteller. Stecken darin Vertragsunterlagen statt einer Kreditzusage, ist das Geld weg, ohne dass ein Kreditvertrag zustande kam. Die Verbraucherzentrale rät deshalb, solche Sendungen nicht anzunehmen. Ist dir der Absender unbekannt, verweigere die Annahme, auch wenn das Schreiben nach Bank aussieht.
Eine zweite Spielart verknüpft den Kreditantrag mit einer Kartenbestellung. Laut Verbraucherzentrale kommt dabei oft kein Kredit zustande, dafür fallen Kosten für die Karte an, etwa eine Nachnahmegebühr und später eine Jahresgebühr. Seriöse Anbieter bündeln Kredite laut Verbraucherzentrale in der Regel nicht mit solchen Produkten.
Prüf vor jeder Bestellung, ob ein Formular dir eine Karte, einen Handyvertrag oder eine Versicherung mitbestellt. Wenn sich ein Zusatz nicht abwählen lässt, brich die Anfrage ab.
Wie erkennst du gefälschte Bankseiten und Impressen?
Gefälschte Bankseiten sehen dem Original oft täuschend ähnlich. Das BSI weist darauf hin, dass ein https-Zertifikat allein keine Entwarnung ist, weil auch Betrüger Zertifikate erwerben können. Prüfe deshalb die Adresse, bevor du Daten eingibst, und öffne keine Login-Seite über einen Link aus einer Mail.
Eine Fälschung verrät sich oft beim Abfragen. Eine TAN-Abfrage ohne eigene Transaktion ist laut BSI ein klares Indiz für eine gefälschte Seite. Fragt die Seite nach dem Login erneut Name, Adresse oder IBAN ab, ist das ebenfalls ein Warnzeichen.
Auch der Absender einer Mail kann anders sein, als er aussieht. Das BSI empfiehlt, den Mauszeiger über die Absenderzeile zu halten, ohne zu klicken. Rechtschreibfehler sind laut BSI nur ein schwaches Signal. Bei unerwarteten Links und Anhängen rät das BSI zur Vorsicht.
Ein Impressum mit Firmennamen beweist nichts. Laut Verbraucherzentrale sagen ein bekannter Name, eine Verbandsmitgliedschaft oder eine gut gemachte Webseite wenig über einen seriösen Anbieter. Die Verbraucherzentrale empfiehlt, Impressum und Adresse zu prüfen und die Erreichbarkeit zu testen, und zählt einen Sitz im Ausland zu den Warnzeichen. Wie Angebote aus der Schweiz ablaufen, beschreibt die Seite zum Schweizer Kredit.
Der vzbv beschrieb im Dezember 2021 Webseiten, die einfache Kredite auch für Menschen mit negativem SCHUFA-Eintrag anbieten und über soziale Netzwerke werben. Wer seine Daten für ein angeblich unverbindliches Angebot oder eine kostenlose Prepaid-Karte eingibt, bekommt laut vzbv keine Karte und keinen Kredit, sondern eine Rechnung über eine Aufnahmegebühr und Abos. Auf unbezahlte Rechnungen folgen Mahnungen und Schreiben von Anwälten, die Gerichtskosten androhen. Die Seite Kredit ohne SCHUFA ordnet solche Angebote ein.
Was ist Identitätsmissbrauch bei Video-Ident und POSTIDENT?
Beim Identitätsmissbrauch nutzen Täter eine Identifizierung, um in deinem Namen einen Kredit aufzunehmen. Die Verbraucherzentrale warnt vor gefälschten POSTIDENT-Anfragen, mit denen Kredite von 20.000 Euro oder mehr auf den Namen von Betroffenen aufgenommen werden. Die Betroffenen glauben oft, sie handeln in ihrem eigenen Interesse.
Die Masche läuft über angebliche Kontoprüfungen, Sicherheits-Updates oder Freischaltcodes. Gefälschte Bankschreiben verlangen eine Datenbestätigung per POSTIDENT. Der Coupon, den du dafür einreichst, legitimiert in Wahrheit einen Kredit bei einer anderen Bank.
Auch Menschen, die privat etwas verkaufen, geraten in die Masche. Ein angeblicher Käufer drängt sie zu einer Identifizierung, die als Sicherheitsgarantie verkauft wird. Im Hintergrund wird dann ein Kreditantrag im Namen des Verkäufers gestellt.
Erscheint auf Coupon oder Unterschriftenfeld ein Name, den du nicht kennst, oder eine fremde Bank, brich ab. Eine Identifizierung startest du nur, wenn du den Vorgang selbst ausgelöst hast. Unaufgefordert zugeschickte Coupons, Links oder Vorgangsnummern sind verdächtig.
Bei Video-Ident warnt die Verbraucherzentrale ebenfalls vor Missbrauch, etwa durch betrügerische Trading-Plattformen. Betrüger geben den Opfern dabei Antworten für das Verfahren mit der Bank vor. Lass dir keine Antworten diktieren. Wie ein normaler Online-Kredit mit Identifizierung abläuft, zeigt der Ratgeber Online-Kredit.
Täter nutzen dafür persönliche Daten, die sie aus Phishing-Mails, Datenlecks oder frei verfügbaren Bildern gewinnen. Identitätsdiebstahl bleibt laut Checkliste von BSI und Polizei häufig zunächst unbemerkt. Wenn du einen Verdacht hast, lohnt sich der Blick in die SCHUFA-Datenkopie.
Was bedeutet ein Finanzagenten-Angebot für dich?
Ein Finanzagent stellt sein Girokonto für fremde Zahlungen zur Verfügung und gibt das Geld weiter, oft ins Ausland. Die Polizei warnt ausdrücklich davor und nennt als Risiko ein Verfahren wegen leichtfertiger Geldwäsche. Der Strafrahmen liegt nach § 261 Abs. 6 StGB bei bis zu zwei Jahren Freiheitsstrafe oder Geldstrafe.
Die Angebote tarnen sich oft als Nebenjob. Die Polizei nennt diese Warnsignale:
So erkennst du einen Finanzagenten-Job
- Das Jobangebot kommt per unverlangter E-Mail und verspricht viel Verdienst für wenig Arbeit.
- Du sollst dein Girokonto für Überweisungen Dritter zur Verfügung stellen.
- Das Geld soll rasch per Bargeldversand oder über einen Finanztransferdienst ins Ausland gehen.
- Die Ansprache erfolgt persönlich auf der Straße, oft durch Menschen, die deine Muttersprache sprechen.
- Scheinarbeitsverträge oder angebliche App-Tests mit Kontoeröffnung gehören zur Masche.
Die Polizei nennt mehrere Folgen. Banken kündigen regelmäßig das Konto eines Finanzagenten, und Geschädigte können Rückzahlung von ihm verlangen. Wenn ein Opfer seine Überweisung widerruft, bleibt der Finanzagent auf dem Schaden sitzen, weil er das Geld schon weitergeleitet hat.
Gib dein Konto nie an Dritte weiter, auch nicht für eine angebliche Testüberweisung. Antworte nicht auf dubiose Jobmails und lehne Angebote ab, bei denen dein Konto für Zahlungen anderer genutzt werden soll.
Hast du einem solchen Anbieter eine Ausweiskopie geschickt, sprich mit der Polizei. Laut Checkliste von BSI und Polizei nutzen Täter Ausweiskopien, etwa aus Datenlecks, damit neue Benutzerkonten vertrauenswürdig wirken. Kommt unerwartet Geld auf dein Konto, sprich mit deiner Bank oder der Polizei.
Was gilt, wenn Geld kommt, das du nicht beantragt hast?
Ab dem 20. November 2026 darf ein Unternehmer dir kein Geld zum Zweck eines Allgemein-Verbraucherdarlehens zur Verfügung stellen, ohne dass du die Gewährung vorher angefordert und ihrer Erbringung ausdrücklich zugestimmt hast. Erfolgt es dennoch, entsteht kein Anspruch gegen dich. Gesetzliche Ansprüche bleiben allerdings, wenn das Geld nicht für dich bestimmt war und du das erkennen konntest (§ 492 Abs. 8 BGB).
Für dich heißt das praktisch: Wenn Geld eingeht, das du nicht erwartet hast, leitest du es nicht an Dritte weiter, auch wenn jemand dich drängt. Lass die Bank den Eingang prüfen, bevor du einen Betrag bewegst. Rückbuchungen sollten laut Polizei nur auf das Ursprungskonto erfolgen. Ein Kredit, den du nie beantragt hast, ist ein Fall von Identitätsmissbrauch.
Warum ist eine Restschuldversicherung als Bedingung ein Warnsignal?
Die Bank darf einen Verbraucherkredit nicht von einer Restschuldversicherung abhängig machen (§ 492a BGB).
Seit Anfang 2025 darf eine Restschuldversicherung zu einem Verbraucherkredit erst eine Woche nach Abschluss des Kreditvertrags abgeschlossen werden (§ 7a Abs. 5 VVG). Will dir ein Anbieter die Versicherung gleichzeitig mit dem Kredit verkaufen, ist das ein Warnsignal. Laut Verbraucherzentrale wird die Versicherung oft mit Druck verkauft. Die Verbraucherzentrale nennt sie in der Regel sehr teuer.
Welche Punkte prüfst du vor jeder Kreditanfrage?
Geh die Liste durch, bevor du Daten eingibst oder einen Antrag absendest. Trifft einer der Punkte zu, brich ab. Fachbegriffe aus Angeboten erklärt das Kreditlexikon.
Vor jeder Anfrage prüfen
- Der Anbieter verlangt vor der Auszahlung Geld, als Gebühr, Kaution oder Bearbeitungskosten.
- Der Kredit gibt es nur zusammen mit einer Karte, einem Handyvertrag oder einer Versicherung.
- Das Angebot kommt ungefragt per Nachricht, Anruf oder Anzeige und verspricht eine Zusage, ohne dass deine Lage geprüft wird.
- Auf dein Konto soll Geld eingehen, das du weiterleiten oder zurücküberweisen sollst.
- Du sollst dich identifizieren, ohne dass du selbst einen Antrag gestellt hast.
- Im Impressum fehlen Anschrift oder Telefonnummer, oder unter der Nummer ist niemand erreichbar.
- Der Anbieter steht auf einer Warnliste der BaFin.
Was tust du, wenn es schon passiert ist?
Bei Zahlungen zählt die Bank zuerst. Überwiesenes Geld lässt sich laut Polizei nur selten zurückholen, deshalb ist Schritt zwei der dringendste. Auch vor einer Unterschrift kannst du dich an eine Verbraucherzentrale wenden, wenn du an einem Angebot zweifelst.
Schritte, wenn du gezahlt oder unterschrieben hast
- Nichts weiter tun. Zahl nicht nach, unterschreibe keine weiteren Unterlagen und brich eine laufende Identifizierung ab.
- Bank über die eigene Nummer kontaktieren. Nimm die Nummer aus deinem Vertrag oder von deiner Karte, nicht die aus der Nachricht. Frag nach einer Rückbuchung. Bei möglichem Missbrauch lass Karten, Konten oder Zugänge sperren.
- Belege sichern. Speichere Screenshots, Mails, Coupons, Zahlungsbelege und Mahnungen. Die Checkliste von BSI und Polizei rät, alle Unterlagen als Beweismaterial zu sichern.
- Anzeige bei der Polizei erstatten. Das gilt vor allem, wenn ein finanzieller Schaden entstanden ist. Nimm deine Belege mit.
- SCHUFA-Datenkopie anfordern. Sie zeigt laut SCHUFA eine Momentaufnahme deiner Daten. Achte auf Anfragen, Kredite und Empfänger, die du nicht kennst. Wie du sie bestellst, erklärt die Seite Kredit abgelehnt.
- Verbraucherzentrale einschalten. Bei einer fragwürdigen Rechnung oder einem Vertrag beraten Verbraucherzentralen. Beschwerden können über deren Beschwerdeportal laufen.
- Hilfe bei Geldsorgen holen. Wenn dir durch den Betrug das Geld fehlt, wende dich an eine Schuldnerberatung. Der vzbv rät Menschen in finanzieller Not dazu. Frag vorher nach den Kosten.
Häufige Fragen
Muss ich einem Kreditvermittler vorab Geld zahlen?
Nach § 655c BGB wird die Vergütung erst fällig, wenn das Darlehen infolge der Vermittlung an dich geleistet wurde und ein Widerruf nicht mehr möglich ist. Verlangt jemand vorab Geld, brich den Kontakt ab und lass dich bei einer Verbraucherzentrale beraten.
Ich habe schon Geld überwiesen. Was muss ich zuerst tun?
Ruf deine Bank über die Nummer an, die du selbst kennst, und frag nach einer Rückbuchung. Danach erstattest du Anzeige bei der Polizei und sicherst alle Belege. Überwiesenes Geld lässt sich laut Polizei nur selten zurückholen.
Darf eine Bank die Restschuldversicherung zur Bedingung machen?
Nein, nicht bei einem Verbraucherkredit (§ 492a BGB). Ob sie für dich sinnvoll ist, prüfst du getrennt vom Kredit.
Was zeigt mir die SCHUFA-Datenkopie bei Verdacht auf Betrug?
Laut SCHUFA zeigt die Datenkopie eine Momentaufnahme deiner gespeicherten Daten. Achte auf Anfragen und Empfänger, die du nicht kennst. Wie du sie bestellst, erklärt die Seite Kredit abgelehnt.
Was mache ich mit einer Rechnung von einem angeblichen Kreditvermittler?
Lass dich bei einer Verbraucherzentrale beraten, bevor du zahlst.
Quellen
- § 655c BGB (Vergütung bei Darlehensvermittlung)
- § 492a BGB (Kopplungsverbot bei Restschuldversicherung)
- § 7a VVG (Restschuldversicherung, Wartezeit)
- § 261 StGB (Geldwäsche)
- Gesetz zur Umsetzung der Richtlinie (EU) 2023/2225 (BGBl. 2026 I Nr. 139)
- Unseriöse Kredite erkennen: 6 häufige Fallen
- Achtung Kredit-Falle: Betrug mit gefälschten POSTIDENT-Anfragen
- Warnung zum Videoidentverfahren
- Restschuldversicherungen sind teuer und leisten nur wenig
- Betrug mit Vorabzahlungen nach Kreditanfragen
- Warnung vor Abzocke mit falschen Kreditwebseiten
- Wie erkenne ich Phishing in E-Mails und auf Webseiten?
- Identitätsdiebstahl: Checkliste für den Ernstfall
- Finanzagenten
- Online-Betrug: Schütze dich vor Vorkassebetrug
- SCHUFA-Datenkopie (Selbstauskunft)